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Essstäbchen sind das bessere Tibet


Eigentlich sind Holz-Essstäbchen ja Wegwerfprodukte, so wie Plastikgabeln oder Pappteller. Billige, kleine Mittler zwischen Nudel, Ente, Fisch, Tofu, Reis und Hungergefühl. Nicht weiter bemerkenswert also, auch wenn sie in ihrer Austauschbarkeit der kundigen Benutzerin immerhin die Möglichkeit bieten, sich (zumindest in der eigenen Wahrnehmung, wenn’s drauf ankommt, guckt ja eh keiner) von den ebenfalls austauschbaren Messer- und Gabel-Esserinnen am Nachbartisch abzuheben: wie weltgewandt, tolerant und fingerfertig erscheint doch die Person, die ihre gebackene Banane ungelenkt von Essstäbchen in den Honigklecks auf ihrem Teller fallen lässt im Vergleich zur Ihrer Nachbarin mit dem bauernhaft-vulgär auf einer Gabel aufgespießten Stück Tofu am Nachbartisch! Tiefe Gräben der Kosmopolität tun sich in diesem Moment plötzlich zwischen den Tischen jeder kleineren Nudel-und-Enten-Klitsche auf, in der das Nebeneinander von hölzernem Gestochere und klassischem Geschirrgeklappere auftritt. (mehr…)